Review: KILL THE MESSENGER - Hollywood & USA, Prestige & Politik

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Fakten:
Kill The Messenger
USA. 2014. Regie: Michael Cuesta. Buch: Peter Landesman, Nick Schou (Vorlage), Gary Webb (Vorlage). Mit: Jeremy Renner, Rosemarie DeWitt, Ray Liotta, Tim Blake Nelson, Barry Pepper, Mary Elizabeth Winstead, Michael Sheen, Michael K. Williams, Oliver Platt, Andy García, Paz Vega, ua. Länge: 110 Minuten. FSK: freigegeben ab 12 Jahren. Ab 21. Januar 2016 auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Gary Webb, ein investigativer Journalist, deckt skandalöse Deals der CIA auf, deren Folgen von Afrika bis in die Vororte von Los Angeles reichen und die Agency beschuldigen, Drogenschmuggel zu dulden. Basierend auf realen Begebenheiten.





Meinung:
In der Realität passierende oder passierte politische Skandale können ihre dramatische Kraft wahrscheinlich am besten im dokumentarischen Stile entfalten. Der direkte Kontakt zu Beteiligten, die logische Darlegung von Fakten, ein paar Spekulationen; all dem mag man in einer Dokumentation folgen. In einem Kinofilm kann investigative Arbeit schnell langweilig werden, weil der Zuschauer selbst nicht „mitspielen“ darf, sondern nur dem ganzen Theater beiwohnt. Eine der neusten und wohl auch bekanntesten Beispiele für solche Dokumentationen ist „Citizen Four“, ein Film, der sich mit dem NSA-Skandal und Edward Snowden auseinandersetzt. Der ist vor ein paar Jahren mit einem Ruck bekannt geworden, seitdem gehasst und verehrt, aber immer für seinen Mut respektiert. „Kill The Messenger“ geht mit seinem Titel einerseits darauf ein, was vor hunderten von Jahren mit Überbringern schlechter Nachrichten gemacht wurde, und andererseits auf den defensiven Spruch „Ich bin nur der Überbringer der Nachricht“, den wohl jeder schon mal gehört oder gesagt hat.


Google Maps - You're making it wrong
Der Überbringer der Nachricht ist in diesem Fall Gary Webb, dargestellt von Jeremy Renner. Und der liefert mit diesem Film seine beste Arbeit seit einer ganzen Weile ab. Er stellt einen Mann dar, der, Edward Snowden nicht unähnlich, sein Leben der offenen Wahrheit verschrieben hat. Es geht ihm nicht um Gerechtigkeit, es geht ihm nicht darum, dass die Verantwortlichen CIA-Agenten belangt werden (davon distanziert er sich in zahlreichen Fernseh-Interviews). Es geht ihm nur darum, dass eine Wahrheit ans Licht kommt, die Folgen für das Leben unzähliger Menschen haben wird. Dass Wahrheit in einer politischen Gesellschaft nicht der einzige und größte Wert ist, muss er auf die harte Tour lernen. Es kommt nämlich nicht nur auf die Natur der Wahrheit an, es kommt auch darauf an, wann sie öffentlich gemacht wird. Der Wert einer Wahrheit verändert sich in der Politik je nach Uhrzeit, Datum, Tag oder Woche. „Kill The Messenger“ versteht sich nicht als investigativer Film, und das ist okay, dennoch hätte er mehr liefern können, als die bloßen Eckpunkte der realen Begebenheit. Manchmal schummelt der Film sich so kurz durch, manchmal legt er aber auch seine starken Karten auf den Tisch und spielt sie gekonnt aus.


"... entweder meine Rolle wird geiler oder ich steig bei Marvel aus!"
Polit-Thriller, bzw. derartige Biographien, haben oft das Problem, dass zwar ihr Ziel, aber nicht der Weg dorthin, wirklich filmreif spannend sind, weshalb die Wahrheit oft ein wenig dramatisiert und ausgeschmückt wird, um dem weiten Publikum zuzusagen. Sobald dies jedoch geschieht, muss der Film zwangsweise mit Kritik an eben jener Methodik rechnen. Davor kann sich auch der Film von Michael Cuesta nicht retten, der von Sekunde 1 von einer seltsamen überdramatisierenden Hülle umgeben zu sein scheint. Das wird vor allem in seiner Inszenierung und der klanglichen Arbeit deutlich, die Szenen aufbauschen wollen, die das gar nicht nötig hätten, weil sie so schon dramatisch genug sind. Zu viel ist manchmal eben einfach zu viel und zu wenig, wer hätte es gedacht, zu wenig. Denn während Regie und Musik über die Stränge schlagen, hapert es an dem Drehbuch hier und da deutlich. Auch das fängt mit der ersten Szene an, wenn die Einführung des Protagonisten aus einem einfachen „Hi, ich bin Gary Webb, ich bin Journalist.“ besteht. Dies ist symptomatisch zu betrachten, sodass jeglicher Sinn für Spannung, Kreativität oder Atmosphäre oft flöten geht, wenn sie denn überhaupt entsteht.


"Hier, das ist von Tante Betsy."
Und das ist schade, so handelt es sich bei der Ausgangsgeschichte doch um ziemlich brisantes Material. Und hier offenbart sich aber leider direkt der größte Haken des Films. Zunächst müssen Produzenten und Köpfe hinter den Kulissen dafür gelobt werden, einen generell kritischen Film zu drehen. Derartige Filme in den Vereinigten Staaten sind oft ein großes Problem. Politisch eindeutige Filme sind selten erfolgreich. Andrew Dominiks „Killing Them Softly“ war sehr kritisch, was die Arbeit des Staatsapparates anging. Dass sein Film ein Flop wurde, begründeten Experten mit der politisch klaren Einstellung. Mit der politischen Deutlichkeit und dem Salz in der Wunde wird also oft sparsam umgegangen; lieber nicht zu doll anecken, sonst regt sich noch jemand auf. Und das ist im Filmgeschäft selten etwas Gutes. So ist es auch bitter bezeichnend, dass die traurigen und skandalösen Wahrheiten der Begebenheit kleinlaut als Schrifttafeln vor dem Abspann kurz eingeblendet werden. Da fehlt die Konsequenz, die Kaltschnäuzigkeit, die ein ernster Film, der sich mit einer solchen Thematik beschäftigt, einfach haben sollte. So schummert der Film ein wenig zwischen „typisch Hollywood“ und einer „Ich werd’s euch zeigen“-Stimmung umher, ohne sich je wirklich entscheiden zu können, wo er hingehören will.


„Kill The Messenger“ ist ein Film, der gerne mehr wäre als er ist. Das würde auch möglich sein, würden die politischen Beschränkungen, die dem Protagonisten im Film selbst zu schaffen machen, nicht auch auf den Film selbst wirken. Das ist eine Ironie, die traurig stimmt, da sie ganz viel Potenzial verpuffen lässt. Ein Schritt in die richtige, weil mutige Richtung ist dieser Film dennoch. Es gibt einige Momente, die fesselnd anzusehen sind, was hauptsächlich an der von Grund auf dramatischen Handlung und einem engagierten Hauptdarsteller liegt, der gleichzeitig auch als Produzent tätig war. Jeremy Renner liefert eine interessante Darbietung eines Mannes, der so tief in seiner Arbeit versank, dass er von der Welt um ihn herum überholt wurde. Er ist mal laut, öfter leise und immer mit einer gewissen Unvollständigkeit und Frustration umgeben, die tief in Renners Augen sitzt. Wirklich viel traut sich der Film jedoch leider nur in Form von weißer Schrift auf schwarzem Grund, weshalb man den Film als gut gemeinten Versuch ansehen muss, der nötig war, auf den aber gern auch noch mehr folgen darf.


6 von 10 aufgezwungenen Schreibblockaden


von Smooli

Review: TOKYO TRIBE - What the fuck Sono Sion?!

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Fakten:
Tokyo Tribe
JP. 2014. Regie: Sono Sion. Buch: Sono Sion, Santa Inoue (Vorlage). Mit: Tomoko Karina, Akihiro Kitamura, Ryohei Suzuki, Shota Sometani, Kokone Sasaki, Hitomi Katayama, Yosuke Kubozuka, Haruna Yabuki, Riki Takeuchi, ua. Länge: 118 Minuten. FSK: noch nicht bekannt. Ab dem 16. Juli 2015 im Kino.


Story:
Die Polizei hat nichts zu melden in dieser Version von Tokyo, stattdessen haben die Klans absolutes Herrschaftsrecht in ihren eigenen Bezirken. Das funktioniert auch ganz gut, bis irgendjemand machtgierig wird und einen Krieg zwischen den Klans entfacht.





Meinung:
Schon mal einen Film vom Japaner Sono Sion gesehen? Wenn nicht, dann ist es sehr schwierig, den richtigen Eindruck von „Tokyo Tribe“ entstehen zu lassen. Seine letzten beiden Filme, „Why Don’t You Play in Hell?“ und eben dieser hier, zeichnen sich durch offenbar durch das Missachten jeglicher Regeln und Grenzen aus. Regeln und Grenzen des Filmemachens und menschlichen Verstandes gleichermaßen. Für Sonos Arbeit lassen sich schlicht und ergreifend keine Vergleiche heranziehen, die einem eine ungefähre Vorstellung erleichtern. Es handelt sich hier um einen Film, der schwierig zu sehen, schwierig zu bewerten und kommentieren, aber auch schwierig zu hassen ist. Ein Versuch der Erklärung und Würdigung.


Aufnahme fürs Bewerbungsvideo an James Franco
War „Why Don’t You Play in Hell?“ noch eine Reminiszenz an den Beruf, die große Liebe und den Lebensinhalt von Sono Sion, den Film nämlich, handelt es sich hier nun um eine Zelebrierung der Liebe an die Musik, speziell das Rap-Genre. Als „das größte Rap-Battle der Welt“ beschrieb der Regisseur seinen Film und damit wird er absolut Recht haben. Das Rap-Battle erstreckt sich nämlich über die volle Laufzeit von zwei Stunden und wechselt beliebig Akteure, Handlungsort und -Zeit und macht generell das, was es auch immer vorhat. Die einführenden Minuten lassen dabei nur erahnen, was hier später alles noch abgerissen wird. Etabliert der Regisseur zu Beginn das fiktive Tokyo, in dem sich die Geschichte abspielen wird, werden dem Zuschauer Schlagworte wie Einsamkeit, Armut und Kriminalität an den Kopf geworfen. Ein Vergleich zur Stadt Sin City ist da nicht Fehl am Platze. Nur ein wenig abgefahrener und lauter. Musik gibt es nämlich über die gesamte Laufzeit, von der ersten viereinhalbminütigen Plansequenz bis zum bombastischen finalen Kampf. Dieser scheint keinen wirklichen Anfang zu haben, alles läuft irgendwie ineinander über und ergibt, nach einer zehnminütigen Exposition einen wilden Mix, ein abgefahrenes Etwas von Film in drei Akten.


Nicolas Cage in "Face/Off" war sein Vorbild
Der Plot kann dennoch, gelinde gesagt, einem jeden Zuschauer gepflegt am Gesäß vorbeigehen. Der geht über den obigen Umriss nämlich nicht hinaus. Es gibt Klans, die kriegen sich in die Haare. Das war’s. Der Rest ist eine Chaos-Party, ein Wort, das jetzt einfach mal für dieses Werk erfunden wurde. Doch, doch, Sono bleibt sich seiner Arbeit aus „Why Don’t You Play in Hell?“ treu. Der Absurdität, dem Exzess, dem Humor. War es im Genannten vor allem die Ausgangssituation, die schon wahnwitzig war, ist es hier alles andere, woran man denken und nicht denken mag. Einfach alles. Der Humor ist mal unterschwellig, wenn eine Domina mit der Peitsche knallt und die Kamera ein wenig zuckt, ganz so, als hätte sich der Kameramann erschrocken. Dann aber, und zwar für die überwältigende Mehrheit, ist der Humor so exzessiv auf die Zwölf, dass man sich davor gar nicht retten kann, es sei denn, man schließt die Augen. Und das wird manchmal ganz gut tun, sonst könnte man Gefahr einer Reizüberflutung laufen. Alles ist flamboyant, grell, überreizt, anstrengend, erheiternd und einfach nur vier Nummern zu viel. Es ist wahrlich faszinierend. 


Woop that Shit, Biatches! DJ Demenzia is indahouse!
Und da wurde ja noch kein Wort über die Kulissen verloren. Die sind nämlich der eigentliche Star des Films. Das Set ließ Sono von Studenten errichten und ließ ihnen offensichtlich weitestgehend  freie Hand. Das Ergebnis ist einmalig, abgefahren, nimmt Popkultur ebenso auf’s Korn wie es sie ehrt. Man stelle sich eine Mischung aus dem Fleisch-Fest in Steven Spielbergs „A.I.“, einem Jahrmarkt, einem Problembezirk einer beliebigen Stadt und den Strand-Sets von Baz Luhrmanns Version von „Romeo und Julia“ vor. Dann kommt man vielleicht im Entferntesten gedanklich an die Optik, die sich einem hier offenbart. Durch diese Kulissen lässt Sono dann eine Menschengruppe nach der nächsten tanzen, jagen, rennen und kämpfen. Die Hommagen an Musicals jedweder Art sind da natürlich nicht weit. Den Anfang bildet da noch ganz subtil (Spaß) eine Menschenmenge, die mit Schirmen im Regen tanzt und singt. Die andere berühmte Version von „Singin’ in the Rain“ von Alex DeLarge bekommt auch ihren Platz, wenn wir später urplötzlich in einer Korova Milchbar sind. Wer solche Referenzen und diese japanische „Ich setz noch einen drauf“-Art mag, der wird sich hier sicherlich im Himmel wähnen. Der Film löst jedenfalls jedes Versprechen ein, das er machen konnte und der Name Sono Sion ankündigt.


Als Filmkritiker hat man gewisser Weise die Pflicht, auf die technischen und inhaltlichen Komponenten des Filmes gleichermaßen zu achten und dann ein aus den Einzelteilen ein großes Ganzes zu basteln. Das macht es so schwierig, diesen Film einzuordnen; er funktioniert nämlich nur, wenn man die Birne ausmacht, sich nicht auf jedweden weltbewegenden Inhalt versteift, sondern sich von Sono einfach mal gehörig die Visage polieren lässt. Bei diesem Film gibt es nichts zum Erfassen oder Verstehen, nur etwas zum Erleben. Sono erzählt die Geschichte des Raps, nicht historisch, sondern emotional gesehen. Er macht sich lustig über die sexualisiert, chauvinistische und oberflächliche Form der Musik (jedoch nicht, ohne liebevoll zu sein) und verehrt das kraftvolle Wesen des Genres. „Tokyo Tribe“ ist ein Film, der sich so klar und deutlich „Ich mach jetzt, was ich will“ auf die Stirn gestempelt hat, dass er einerseits faszinierend und sympathisch ist, andererseits den Zuschauer zu Zeiten auch etwas zu vergessen scheint, in seinem ungebremsten Exzess. Am Ende bleiben Ungläubigkeit, hochgezogene Mundwinkel, Verwirrung, Freude und vor allem die Wahrheit, dass Gewalt keine Lösung ist. Musik aber schon.


6 von 10 Typen mit Stahlpenissen


von Smooli

Review: KIND 44 - Mörderjagd auf zu vielen Hochzeiten

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Fakten:
Kind44 (Child 44)
USA. 2015. Regie: Daniel Espinosa. Buch: Richard Price, Tom Rob Smith (Vorlage). Mit: Tom Hardy, Noomi Rapace, Joel Kinnaman, Gary Oldman, Vincent Cassel, Fares Fares, Nikolaj Lie Laas, Paddy Considine, Jason Clarke, Josef Altin, Charles Dance, Sam Spruell, Ned Dennehy, Michael Nardone, Tara Fitzgerald, Samuel Buttery, Agnieszka Grochowska, Xavier Atkins, Jemma O’Brien, Lottie Steer u.a. Länge: 137 Minuten. FSK: freigegeben ab 16 Jahren. Ab 22. Oktober auf DVD und Blu-ray erhältlich.


Story:
Moskau, 1953: Als gefeierter Kriegsheld, der fest an die kommunistischen Ideale glaubt, konnte sich Geheimdienstoffizier Leo Demidow eine Karriere aufbauen. Doch als die grausam zugerichtete Leiche des kleinen Sohnes eines Mitoffiziers aufgefunden wird und der offensichtliche Mord von den Vorgesetzten zum Unfall erklärt wird, gerät Leos ganze Welt ins Wanken. Als ein weiterer Mord geschieht und Leo gegen Befehle verstößt, sieht er sich schnell ins abgelegene Exil degradiert und schwebt plötzlich mit seiner Familie in tödlicher Gefahr.





Meinung:
Was fasziniert uns nur so an Serienkillern? Ist es vielleicht einfach allgemein die Anziehungskraft des Bösen, kombiniert mit dem Wissen, dass diese Menschen unter uns sein könnten, ohne dass wir es merken? So oder so, nicht erst seit Kinohits wie „Sieben“ oder Fernsehserien wie „True Detective“ beschäftigten sich Filmemacher mit dem Thema. Gerne als saftiges Genrestück („Saw“) genauso wie als erdiges Drama („Henry: Portrait of a Serialkiller“) oder beißende Satire („Natural Born Killer“). „Kind 44“ vom schwedischen Regisseur Daniel Espinosa, der hiermit sein zweites Hollywood-Werk nach dem Actioner „Safe House“ ablieferte, beruht auf dem ersten Teil einer Romantrilogie von Tom Rob Smith, die wiederum vom echten Fall des russischen Serienmörders Andrei Tschikatilo inspiriert ist, der zur Zeit der Sowjetunion seine Opfer fand, während die kommunistischen Behörden nicht viel gegen ihn ausrichteten, da Serienkiller als ein reinrassiges kapitalistisches Problem angesehen wurden.


Auf der Suche nach dem Kindermörder: Leo
„Kind 44“ zeigt sich, anders als das thematisch sehr ähnliche Thriller-Drama „Citizen X“ von 1995, wenig daran interessiert, den wahren Fall akribisch nachzuzeichnen. Wie im Roman auch ist die Killerhatz nur der Aufhänger für gleich mehrere Faktoren. So versucht der Film sich bloß rudimentär als Thriller. Wesentlich mehr im Fokus steht das Porträt der damaligen Sowjetunion, mit all ihren Machtgefällen und gesellschaftlichen Gefahren. Einhergehend damit wird auch die Beziehung zwischen dem treuen Staatsdiener Leo Demidov (Tom Hardy) und seiner Frau Raisa (Noomi Rapace) behandelt, die zwischenzeitlich sogar in eine waschechte Spionagegeschichte abdriftet. „Kind 44“ spielt also auf diversen Hochzeiten und genau da liegt das Problem! Regisseur Espinosa bekommt kein wirkliches kohärentes Gesamtbild hin. Der stilistisch absolut authentisch wirkende Film, verliert sich einfach in zu vielen Einzelfragmenten. Aber egal ob die Romanverfilmung sich gerade als melodramatisches Rührstück, Thriller oder Agentenabenteuer versucht, nichts davon verschafft konstanten Nervenkitzel und ein durchgängiges Interesse an den Hauptfiguren kommt auch nie wirklich zu Stande, weil diese meist im dramaturgischen Larger-then-Life-Modus agieren. Wenn „Kind 44“ doch einmal vollends überzeugt, dann liegt das zumeist an den soliden bis guten Darstellern, die sich alle Mühe geben, das adaptierte Script von Richard Price („Sein Name ist Mad Dog“) wiederzugeben.


Die bereits erwähnte Authentizität ist es, die es „Kind 44“ ermöglicht trotz aller inszenatorischen Widrigkeiten zumindest atmosphärisch auf einem beständigen Kurs zu bleiben. Der Film erfüllt all unsere Vermutungen und Erwartungen der damaligen Sowjetunion. Leider auch im Bereich der Charaktere. Was beim Setting gelungen ist, verkommt hier eher zu verknarzten Wiederholungen bekannter Tropen aus der Mottenkiste. Dies und der Fakt, dass die Enttarnung des Killers so beiläufig wie spannungsarm geschieht sind weitere Gründe, warum „Kind 44“ trotz einer guten Grundlage nur wenig zu überzeugen vermag. Wenn man bedenkt wir prominent und hoch hochkarätig der Film besetzt ist, ist das Endergebnis umso erstaunlicher – in einem negativen Sinn.


3,5 von 10 Süßigkeiten in einer Papiertüte

Review: GENE RODDENBERRY'S EARTH: FINAL CONFLICT (Staffel 1) - Die Aliens sind unter uns

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Fakten:
Gene Roddenberry's Earth: Final Conflict (Staffel 1)
USA. 1997.
Regie und Buch: Diverse. Mit: Kevin Kilner, Lisa Howard, Leni Parker, William deVry, Anita La Selva, David Hemblen, Richard Chevolleau, Majel Barrett-Rodenberry u.a. Länge: 22 Episoden á ca. 40 Minuten. FSK: freigegebe ab 12 Jahren. Ab 29. Mai 2015 auf DVD erhältlich.


Story:
Im 21. Jahrhundert befreit die außerirdische Rasse der Taelons die Menschheit von Hunger und Krieg. Als Gegenleistung möchten sie nur Freundschaft und kulturellen Austausch. Der überwiegende Teil der Menschen hält die Taelons für Götter und Heilsbringer, doch eine Minderheit zweifelt an den edlen Motiven der Aliens. Unter der Führung des Industriellen Jonathan Doors formiert sich eine Widerstandsbewegung und schleust ihre Agenten in den taelonischen Machtapparat. Der finale Kampf um die Vorherrschaft auf der Erde beginnt.





Meinung:
Wenn man den Namen Gene Rodenberry vernimmt, dann ist die erste Assoziation natürlich seine erfundene Kultserie „Star Trek“, die nächstes Jahr ihren 50. Geburtstag feiert. „Star Trek“ hob nicht nur einen Serienkult aus der Taufe, formte die Bestimmungen des Genres für eine lange Zeit und bekam mit diversen Kinofilmen, Spin-Ofs, literarischen Erweiterungen und anderem medialen wie kommerziellen Output genügend Aufmerksamkeit sowie Erfolg, dass der Vater des Erfolgs fast schon stur nur einzig und alleine auf diese eine Serie festgemacht wurde. Roddenberry hat aber wahrlich mehr zu bieten als nur „Star Trek“, z.B. eine andere Sci-Fi-Serie die von 1997 bis 2002 produziert wurde: „Earth: Final Conflict“.


Die Stars der Zukunft werden Aliens sein (gut, ist heute ja schon so)
„Earth: Final Conflict“, die im deutschen Fernsehen auch unter dem Titel „Mission Erde“ ausgestrahlt wurde, erinnert in ihrer Machart an die erste „Star Trek“-Serie. Wären die Abenteuer von Cpt. James T. Kirk, Mister Spock und Pille ebenfalls in den 1990er Jahren produziert, der Produktionsaufwand wer mit großer Sicherheit identisch gewesen. „Earth: Final Conflict“ bedient sich wie sein großer Bruder an interessanten wie genrekonformen Ideen, deren Ausführung in technischer Hinsicht aber gut und gerne als schwankend zu bezeichnen ist. Auf große Weltallschlachten, mannigfaltige Alienrassen und kosmische Expeditionen wird hier kein Fokus gelegt. Vielmehr ist „Earth: Final Conflict“ eine Art diplomatischer Thriller im klassischen Gewand einer Sci-Fi-Serie, die vor allem wegen ihrer Fokussierung auf die verschiedene Kulturen und dem technischen Fortschritt, klar die Handschrift von Gene Roddenberry trägt. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass „Earth: Final Conflict“ von Roddenberrys Witwe, nach dessen Tod, aus dessen Nachlasser erschaffen wurde – genau wie die Serie „Andromeda“. Ob „Earth: Final Conflict“ mit einen lebendigen Roddenberry besser gewesen wäre? Um diese Frage mit einem „Ja“ zu beantworten, sieht und fühlt sich die Geschichte und die Machart dann doch zu sehr nach dem Gott der Trekkies an.


„Earth: Final Conflict“ ist, zumindest in der uns vorliegenden ersten Staffel, leider ein sehr hüftsteifer Versuch die klassische Form des Sci-Fi-Genres mit Tropen und Klischees eines (Polit-)Thrillers zu füllen. Die oft eher zweckdienliche Umsetzung der Serie, Darsteller die umherpendeln zwischen amateurhaftem Schultheater oder total durchgedrehten mimischen Eskapismus sowie ein eher müder Erzählfluss, einhergehend mit einer sehr behäbigen, narrativen Rhythmik macht die Sichtung der ersten Staffel von „Earth: Final Conflict“ teilweise zu einer sehr kräftezehrenden Angelegenheit. Durch diese deutlichen wie leider auch sehr drastischen Schwächen wird das eigentliche Potenzial der Geschichte leider in den Hintergrund gedrängt. Roddenberry-Fans, neugierige Sci-Fi-Naturen sowie natürlich Fans von „Earth: Final Conflict“ könnten dennoch etwas finden, was sie an die Serie bindet.


3,5 von 10 Alien-Diplomaten